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Der Ralph Wiggum Loop: KI-Agenten stundenlang arbeiten lassen

4 Min. Lesezeit
#Claude Code#Autonomous Agents#Developer Productivity#AI Engineering

TL;DR

Der Ralph Wiggum Loop ist eine Technik, bei der man Claude Code denselben Prompt wiederholt füttert. Claude sieht bei jeder Iteration seine vorherige Arbeit in Dateien und Git-History, korrigiert sich selbst und macht inkrementelle Fortschritte. Das Ergebnis: Komplexe Aufgaben laufen autonom über Stunden oder Tage - während du schläfst.


Das Problem: Kontext ist endlich

Jeder, der mit KI-Coding-Assistenten arbeitet, kennt das Gefühl: Du bist mitten in einem komplexen Refactoring, Claude versteht endlich den Kontext, und dann - Context Window erschöpft. Neustart. Alles von vorne erklären.

Geoffrey Huntley hatte genau dieses Problem. Seine Lösung? Eine Bash-Schleife, die so simpel ist, dass sie fast schon frech wirkt:

while :; do
  cat PROMPT.md | claude-code --continue
done

Der Name? Eine Hommage an Ralph Wiggum aus den Simpsons - jemand, der trotz aller Widrigkeiten einfach weitermacht.


Wie es funktioniert

Die Magie liegt in der Iteration mit Gedächtnis:

  1. Prompt wird gespeichert - Deine Aufgabe landet in einer State-Datei
  2. Claude arbeitet - Liest Dateien, macht Änderungen, committed
  3. Claude will stoppen - Denkt, fertig zu sein
  4. Hook fängt ab - Prüft auf ein “Promise Tag” wie <promise>DONE</promise>
  5. Nicht gefunden? - Prompt wird erneut injiziert, nächste Iteration startet

Bei jeder Iteration sieht Claude:

  • Die geänderten Dateien aus vorherigen Durchläufen
  • Die Git-History mit Commit-Messages
  • Die Todo-Liste mit noch offenen Aufgaben

Claude korrigiert eigene Fehler, macht weiter wo es aufgehört hat, und konvergiert schrittweise zur Lösung.


Installation in 30 Sekunden

Ralph Wiggum ist ein offizielles Anthropic-Plugin:

/plugin install ralph-wiggum@claude-plugins-official

Starte einen Loop:

/ralph-loop "Migriere alle Tests von Jest zu Vitest.
Output <promise>MIGRATION COMPLETE</promise> wenn fertig." \
  --max-iterations 30

Abbrechen jederzeit mit:

/cancel-ralph

Wann Ralph Gold wert ist

Perfekt für:

Use CaseWarum Ralph funktioniert
Framework-MigrationenHunderte Dateien, gleicher Prozess
Test Coverage erhöhenTDD-Loop bis alle Tests grün
API-DokumentationIterativ alle Endpoints dokumentieren
Code-StandardisierungLinting-Fixes über gesamte Codebase

Real-World Beispiel: Geoffrey Huntley ließ einen Loop 3 Monate laufen. Das Ergebnis: Cursed - eine komplette Programmiersprache mit Compiler, Standardbibliothek und Editor-Support. Autonom entwickelt.

Ein MVP für einen $50.000-Vertrag wurde für $297 API-Kosten geliefert.


Wann Ralph die falsche Wahl ist

Nicht jede Aufgabe profitiert von Autonomie:

  • Architekturentscheidungen - Braucht menschliches Urteil
  • Unklare Anforderungen - Ohne “Done”-Kriterium keine Konvergenz
  • Sicherheitskritischer Code - Authentifizierung, Payments
  • Explorative Arbeit - Wenn du selbst noch nicht weißt, was du willst

Best Practices

1. Klare Completion-Kriterien definieren

❌ Schlecht:
"Baue eine Todo-API und mach sie gut."

✅ Gut:
"Baue eine REST-API für Todos.
- CRUD-Endpoints für /todos
- Input-Validierung
- Fehlerbehandlung
- Tests mit >80% Coverage

Output <promise>COMPLETE</promise> wenn ALLE Anforderungen erfüllt."

2. Immer max-iterations setzen

# Sicherheitsnetz gegen Endlosschleifen
/ralph-loop "..." --max-iterations 30

3. Escape Hatches einbauen

Nach 20 Iterationen ohne Fortschritt:
- Dokumentiere was blockiert
- Liste versuchte Ansätze auf
- Schlage Alternativen vor
- Output <promise>NEEDS HELP</promise>

4. Git-Directory nutzen

Jede Iteration committet automatisch. Bei Problemen: git reset --hard und neu starten ist oft schneller als debuggen.


Die Kosten-Frage

Transparenz ist wichtig:

  • API-Kosten: 50 Iterationen auf großer Codebase = $50-100+
  • Claude Code Subscription: Trifft Usage-Limits schneller
  • Zeit vs. Geld: Ein Entwicklertag kostet mehr als ein 50er Loop

Die Rechnung geht auf, wenn die Alternative manuelle Arbeit über Tage wäre.


Das Mindset-Shift

Ralph verändert, wie du mit KI arbeitest:

Alt: Claude Schritt für Schritt anleiten Neu: Prompts designen, die zu korrekten Lösungen konvergieren

Deine Rolle wird zum Prompt-Architekt. Du definierst Erfolg, Claude findet den Weg.

Wie Huntley es ausdrückt:

“Ralph wird dich testen. Jedes Mal, wenn Ralph eine falsche Richtung eingeschlagen hat, habe ich nicht die Tools beschuldigt - ich habe nach innen geschaut.”


Fazit

Der Ralph Wiggum Loop ist kein Silver Bullet. Aber für die richtigen Aufgaben - klar definiert, iterierbar, zeitintensiv - ist er ein Game Changer.

Die Technik zeigt, wohin die Reise geht: Von KI als Assistent zu KI als autonomem Kollegen, der Aufgaben über Nacht erledigt, während du schläfst.

Und wenn du morgens aufwachst, ist der PR ready for review.


Yannik Zuehlke
Autor

Yannik Zuehlke

Berater, Architekt & Entwickler

Software-Architekt und Cloud-Engineer mit 15+ Jahren Erfahrung. Ich schreibe über das, was in der Praxis funktioniert.